AUF DEM DEICHE
Es ebbt. Langsam dem Schlamm und Schlick umher
Enttauchen alte Wracks und Besenbaken,
Und traurig hüllt ein graues Nebellaken
Die Hallig ein, die Watten und das Meer.
Der Himmel schweigt, die Welt ist freudenleer.
Nachrichten, Teufel, die mich oft erschraken,
Sind Engel gegen solche Widerhaken,
Den heut ins Herz mir wühlt ein rauer Speer.
Wie sonderbar! Ich wollte schon verzagen
Und mich ergeben ohne Manneswürde,
Da blitzt ein Bild empor aus fernen Tagen:
Auf meiner Stute über Heck' und Hürde
Weit der Schwadron voran seh' ich mich jagen
In Schlacht und Sieg, entlastet aller Bürde.
Detlev von Liliencron (1844-1909)