AUTUMNUS
I
Vor allen Göttern in des Jahres Reihn
So stumm, so staunend lernten wir zu beten —
Nun sind wir in den dritten Kreis getreten,
Das Jahr ist reif, die Blätter wurden Wein,
Und was nicht reifte, schläft in kahlen Beeten
Des alten Sommers unter Schleiern ein —
Sie könnten von den blinden Fäden sein,
Die eben deinem Schritt vorbei verwehten.
Ein neu Gesicht hat sich zu uns gesellt.
Aus finstren Schatten lacht es braun und bunt,
Die ist Autumnus, der den Apfel hält.
Rot wirbelts um ihn, gelber sinkts zu Grund,
Mit starken Augen bindet er die Welt.
Die Traube schwillt um seinen schweren Mund.
Rudolf Borchardt (1877-1945)