DAS MALHEUR
Als das Mädchen die Schüssel fallen ließ, blieben alle
Gäste anfangs stumm,
Nur die Hausfrau sagte etwas und drehte sich nicht um.
Das Mädchen aber stand regungslos, wie in unnatürlichen
Schlaf gesenkt,
Krampfhaft die Arme zu einer rettenden Geste verrenkt.
Dem verlegenen Mitleid der Gäste hatte sich scheues
Erstaunen zugesellt,
Denn sie sahen plötzlich Eine mitten in ein Schicksal
gestellt.
Kamen schon die Stubenmädchen mit Tüchern und Besen,
der Diener und selbst der Herr vom Haus.
Sie aber ging ganz wunderschön von Kindheit und
Heimweh hinaus.
In der Küche setzte sie sich auf die Kohlenkiste,
legte die Hände in den Schoß,
Und weinte vielfach, in allen Lagen, nach aller Kunst,
voll Genuß, laut und grenzenlos.
Als man dann spät und geräuschvoll Abschied nahm,
War sie es, die wie aus Ehrfurcht das reichste Trinkgeld
bekam.
Franz Werfel (1890-1945)