TASSO AN DIE PRINZESSIN
VI
Mich hat die Gottheit nicht zu eig‘nem Frommen,
zu eig‘nem Ruhme nicht ans Werk gestellt.
Der Brüder dumpfem Zug ward ich gesellt,
die donnernd aus dem unteren Dunkel kommen.
Von ihrem Schrei ist weh mein Mund ergellt.
Ich hab’ ihr Leid an meine Brust genommen,
an ihrer Kinder Fieberglut entglommen
erhellt mein brennend‘ Herz die ganze Welt
Wie durfte ich, den Leides unermessen
Betrunk‘ner Sturm hinstürzte in die Knie,
in deinem Bilde ruhen, den besessen
der Atem Gottes an die Arbeit schrie?
Und doch — hätt’ ich nicht Gottes längst vergessen,
fand’ ich ihn nicht in deiner Harmonie?
Hans Kaltneker (1895-1919)
VI
Mich hat die Gottheit nicht zu eig‘nem Frommen,
zu eig‘nem Ruhme nicht ans Werk gestellt.
Der Brüder dumpfem Zug ward ich gesellt,
die donnernd aus dem unteren Dunkel kommen.
Von ihrem Schrei ist weh mein Mund ergellt.
Ich hab’ ihr Leid an meine Brust genommen,
an ihrer Kinder Fieberglut entglommen
erhellt mein brennend‘ Herz die ganze Welt
Wie durfte ich, den Leides unermessen
Betrunk‘ner Sturm hinstürzte in die Knie,
in deinem Bilde ruhen, den besessen
der Atem Gottes an die Arbeit schrie?
Und doch — hätt’ ich nicht Gottes längst vergessen,
fand’ ich ihn nicht in deiner Harmonie?
Hans Kaltneker (1895-1919)