OHNMACHT
In neuen Worten, tiefen, sehnsuchtsbangen,
Wie du sie nie gehört, möcht' ich dir nahn.
Mit neuen Küssen möcht' ich dich umfangen,
Dich neue Gluten lehren, bessern Wahn.
Ich möchte dich in Seligkeiten hüllen,
Darin dich ungeahnter Schauer faßt,
Ich möchte dich mit tiefem Leid erfüllen,
Wie du's von Keinem noch erlitten hast -
Und kann es nicht! Dasselbe bleibt es immer,
Es ist im Wort derselbe irre Klang,
Im Aug' derselbe liebesfeuchte Schimmer,
Die gleichen Bitten sind's, der gleiche Dank.
Und wenn mein Arm den Nacken dir umwindet,
Irrt er der Spur vergangner Nächte nach,
Und wenn mein Mund den deinen bebend findet,
Küßt er ihm kaum vergessne Küsse wach.
Und in den reichsten Stunden, liebesüßen,
Umschwelgt uns trunkener Erinnrung Bann;
Aus meinem Lächeln und aus meinem Grüßen
Schaut ein Gewesnes dich vertraulich an.
Und wenn ich mit dem Blick des Hohns dich quäle,
Seh' ich im Aug' dir ein Gedenken glühn,
Und was ich löschen will aus deiner Seele,
In hellern Farben lass' ich dir's erblühn.
Und wenn ich mich gemartert von dir wende,
Spielt um die Lippen dir ein müder Zug -
Der lächelt stumm: Ich kenn' ja auch das Ende,
Wie's immer kommt - mit Ekel und Betrug.
Arthur Schnitzler (1862-1931)
In neuen Worten, tiefen, sehnsuchtsbangen,
Wie du sie nie gehört, möcht' ich dir nahn.
Mit neuen Küssen möcht' ich dich umfangen,
Dich neue Gluten lehren, bessern Wahn.
Ich möchte dich in Seligkeiten hüllen,
Darin dich ungeahnter Schauer faßt,
Ich möchte dich mit tiefem Leid erfüllen,
Wie du's von Keinem noch erlitten hast -
Und kann es nicht! Dasselbe bleibt es immer,
Es ist im Wort derselbe irre Klang,
Im Aug' derselbe liebesfeuchte Schimmer,
Die gleichen Bitten sind's, der gleiche Dank.
Und wenn mein Arm den Nacken dir umwindet,
Irrt er der Spur vergangner Nächte nach,
Und wenn mein Mund den deinen bebend findet,
Küßt er ihm kaum vergessne Küsse wach.
Und in den reichsten Stunden, liebesüßen,
Umschwelgt uns trunkener Erinnrung Bann;
Aus meinem Lächeln und aus meinem Grüßen
Schaut ein Gewesnes dich vertraulich an.
Und wenn ich mit dem Blick des Hohns dich quäle,
Seh' ich im Aug' dir ein Gedenken glühn,
Und was ich löschen will aus deiner Seele,
In hellern Farben lass' ich dir's erblühn.
Und wenn ich mich gemartert von dir wende,
Spielt um die Lippen dir ein müder Zug -
Der lächelt stumm: Ich kenn' ja auch das Ende,
Wie's immer kommt - mit Ekel und Betrug.
Arthur Schnitzler (1862-1931)