DER TODESENGEL
I
Mit Trommelwirbeln geht der Hochzeitszug,
in seidner Sänfte wird die Braut getragen,
durch rote Wolken weißer Rosse Flug,
die ungeduldig goldne Zäume nagen.
Der Todesengel harrt in Himmelshallen
als wüster Freier dieser zarten Braut.
Und seine wilden, dunklen Haare fallen
die Stirn hinab, auf der der Morgen graut.
Die Augen weit, vor Mitleid glühend offen
wie trostlos starrend hin zu neuer Lust,
ein grauenvolles, nie versiegtes Hoffen,
ein Traum von Tagen, die er nie gewußt.
Jakob van Hoddis (1887-1942)