DIE PROZESSION
Aus dem eisern aufgebauten Blauen
Bricht ein Taumel ausgespannter Fahnen.
Winde schmachten und die Kerzen tauen,
Doch die Fenster, die das Wunder ahnen,
Sind verhangen von Herzen und Tüchern.
Ja voran wird uns der Herr getragen,
Seine Wunden hat er längst verwunden,
Und er lacht verrückt durch diese Stunden.
Bauern singen hoch, - doch aufgeschlagen
Ungeheuern Blicks der Priester schreitet,
in den Händen die Monstranz.
Über Stiegen in die Kirche tauchen
Tausend Betende und knieen wild.
Kerzenwirrwarr bricht aus blauen Rauchen,
Und es klingelt unter einem Bild.
Da - Und Horn und Orgel brüllen unter Bögen.
Und es ist geschehn. Ein letztes Weinen
Wirft sich über abgemühte Brüste,
Und der Chor von seiner kleinen Küste
Schmeißt sich in des Himmels Diadem.
Die Tenöre rasen durch die Runde,
Weiß im Hängekleidchen knien die Kleinen.
Und es sinken aus dem Kindermunde
Süß Narzissen und Jerusalem.
Franz Werfel (1890-1945)