MONDLEGENDE
Im Baumgrün lange noch verwehte Klänge.
Blau steht das Zwielicht auf dem Wiesengrund.
An blasse Scheiben drückt sich ein vergrämter Mund.
Von Pfahl zu Pfahl gezogen gelbe Flammenstränge.
Ein Mäher, eine Dirne, ein gebückter Schäfer
die Dorfstraß´steil hinauf. Ein Hund schlägt an.
Vom Turm tropft rotumblitzt der Friedensbann.
Ein Graben überwölbt verirrte Schläfer.
Aus einem Hinterhalt der Dieb feig giert.
Vielleicht geschieht in Mädchenkammern wo ein Mord.
Geschwister treffen sich verstört in einer Laube.
Gewitternd fährt der Mond nun aus der Wolkenhaube.
Der Mond, der alle Dinge überfriert
mit Fingern, dran ein weißer Aussatz dorrt.
Paul Zech (1881-1946)