BLUMEN NEBEN DEM KRANKENBETT
Gartenwinden strahlig und geflammt,
Eingefasst von blauem Seidesammt,
Braune Nelken, brechend aus der Hülle
Ihrer Kelche in der Düfte Fülle.
Ringelblumen so wie Flittergold,
Das die Julisonne aufgerollt,
Bohnenblüten an des Zweigs Geschwinge
Scharlachrote kleine Schmetterlinge.
Gartenwicken, himmelblau beschwingt
Wie ein Falter, der zum Himmel dringt,
Hehr und glanzvoll seine Flügel spaltet,
Wieder sie zur Ruh zusammenfaltet,
Standen da vor mir in einem Glas,
Da ich krank in meinem Bette saß:
Musste nicht frisch Leben sich entfachen
Bei dem Segen dieser Blumenwachen?
Christian Wagner (1835-1918)