Freitag, 27. Juli 2018

Kalendergedicht, Freitag 27.Juli 2018





RHEINFAHRT


Wimpel grüßen , Böller krachen ,
lustig schwimmen wir im Rhein ,
tiefe Boote , leichte Nachen
wollen uns Geleite sein .

Wohl , nun geht es rauschend weiter ,
lachend Bild , wohin wir sehn ,
die Gestade grün und heiter
und dahinter Rebenhöhn .

Städte mit denalten Zinnen
laden gastlich uns herzu ,
Burgen , die verlassen sinnen,
ragen einsam tief in Ruh .

Überall in trauter Nähe
winkt ein ander Bild herbei ,
Eh ich alles übersehe ,
ist es wie ein Traum vorbei .

Der Gebirge Kranz entschwindet ,
flacher Ufer Saum allein
mit den Aun zu Tal sich windet ,
breit und einsam fließt der Rhein .

Wie er auch sich weiter krümmet,
Unverändert bleibt sein Zug ,
wohl , auch diese Ruhe stimmet
mir die Seele ernst genug .

Düstrer wird's am Binsenstrande ,
hohl und grün die Wogen ziehn ,
fern ein Regenstrich im Lande
malt sich an den Wolken hin


Martin Greif (1839-1911)