Dienstag, 6. September 2016

HELLE NACHT





HELLE NACHT

Weich küßt die Zweige
der weiße Mond;
ein Flüstern wohnt
im Laub, als neige,
als schweige sich der Hain zur Ruh –
Geliebte du.

Der Weiher ruht,
und die Weide schimmert.
Ihr Schatten flimmert
in seiner Flut,
und der Wind weint in den Bäumen.
Wir träumen … träumen.

Die Weiden leuchten
Beruhigung;
die Niederung
hebt bleich den feuchten
Schleier hin zum Himmelssaum –
oh hin – oh Traum.




Richard Fedor Leopold Dehmel
(1863 - 1920), dt. Dichter, Lyriker, Dramatiker und Kinderbuchautor

Nach einem Text von Paul Verlaine